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Thursday, May 17, 2012

10. Jahrestag der NATO-Aggression gegen Jugoslawien

10. Jahrestag der NATO-Aggression gegen Jugoslawien



Brigitte QUECK
AUTOR: Brigitte QUECK

Als am 24. März 1999 die NATO- Staaten den souveränen Staat Jugoslawien zu bombardieren begannen, ging der unglaublichen und brutalen Aggression seitens der Westmächte eine ebenso unglaubliche und lügenhafte Propaganda über Rundfunk, Presse und Fernsehen in allen westeuropäischen Staaten voraus, die bis heute andauert.

1. Noch heute werden in zahlreichen westlichen Büchern und Veröffentlichungen über diese Zeit das sogenannte „Massaker von Radcak“ vom 15.1.99 als Auslöser für den NATO-Krieg gegen Jugoslawien erwähnt. An die Spitze der OSZE im Kosovo, hatte die US-Regierung damals den US- Diplomaten W.Walker gestellt, der bereits viele Jahre das schmutzige Geschäft der USA in Lateinamerika bei der Unterstützung US-freundlicher Regimes vor allem in El Salvador betrieben hatte. Diese OSZE hatte die finnische Zahnärztin Helena Ranta an die Spitze der forensischen Untersuchungskommission gestellt, die das Massaker von Radcak untersuchen sollte. Bevor überhaupt die Untersuchungen dazu begonnen hatten, stellte sich W. Walker vor ein dort anwesendes Fernseh-Team und hatte vorauseilend erklärt, dieses grausame Massaker hätten die Serben verübt. Jahre später, am16.10.2008, rechtfertigte sich Helena Ranta gegenüber dem finnischen „Helsingin Sanomat“, dass sie damals unter unglaublichem Druck von W. Walker und der westlichen Medien gestanden hätte, die von ihr die von Walker bereits festgestellte Erklärung über serbischen Massenmord bestätigt wissen wollten..

Danica Marinkovic, die damalige Untersuchungsrichterin des Pristina- Kragujevac Bezirksgerichtes, meinte dazu am 28. 10.2008 gegenüber „Glas Javnosti“: „Radcak war der größte Trick.“ Damals hätte in Radcak ein klassischer Kampf zwischen der serbischen Polizei und UCK – Terroristen stattgefunden, worüber die serbische Polizei bereits vorher die OSZE informiert hatte. Über die damalige Untersuchung der Opfer befragt, erklärte sie „Alle trugen Zivilkleidung, aber viele trugen Militärschuhe bzw. Militärstiefel... . 37 der 40 gefundenen Opfer hätten Spuren von Pulver an ihren Händen gehabt, was darauf hinwies, dass sie vorher in Gefechtshandlungen verwickelt gewesen waren. Zu diesen Schlussfolgerungen gelangten sowohl die belorussischen, als auch die finnischen forensischen Spezialisten, die die Autopsie vorgenommen hatten.

Auf die Frage, ob sie darüber mit Helena Ranta oder William Walker gesprochen habe, sagte sie: „Schon beim ersten Treffen mit Ranta konnte ich keinen Weg finden, um mit ihr zu kommunizieren und später habe ich sie nie wieder gesehen. Es war augenscheinlich, dass sie einen politischen Auftrag hatte, die Serben anzuklagen. Sie war aber weder eine Expertin, noch eine Professionelle. Ich habe auch nicht mit Walker gesprochen, da es offensichtlich war, dass er die UCK unerstützte“.

Mit anderen Worten nach dem sogenannten „Massaker von Radcak“, das, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, nach Kampfhandlungen zwischen serbischen Polizeieinheiten und UCK- Truppen, die durch BND und CIA logistisch geschult, finanziert und militärisch ausgebildet worden waren, „dichtete“ man diese Opfer, die aus dem Kampfgebiet um Radcak zusammengetragen worden waren, in zivile Opfer um und hatte somit wie Hitler vor dem 2. Weltkrieg mit der Stürmung des deutschen Senders Gleiwitz durch in polnische Uniformen gesteckte KZ- Häftlinge einen Kriegsgrund. Massaker, ja, Völkermord der Serben an den Kosovoalbanern!!


2. Die daraufhin von den westlichen Staaten initiierten Verhandlungen von Rambouillet am 6.Februar 1999 in Frankreich, die auf Initiative der bereits 1994 für die sogenannte Koordinierung internationaler Reaktionen auf den Krieg in Bosnien gegründeten Balkan-Kontaktgruppe zustande gekommen waren, enthielten 10 nicht verhandelbare Grundprinzipien für die künftige Zusammenarbeit der jugoslawischen Regierung mit den Kosovoalbanern, die Vorschläge für ein autonomes Kosovo und die Stationierung von NATO- Truppen im Kosovo enthielt.

In der Berichterstattung nach außen, an die sich unisono alle westlichen Medien hielten, ging es bei den Verhandlungen in Rambouillet lediglich um eine von dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic zu erwartende größere Autonomie des Kosovo.

In diesem Zusammenhang ist es notwendig, zu wissen, dass der Kosovo von 1974-1989 eine weltweit wohl einmalige Autonomie hatte. Die Kosovoalbaner hatten ihre eigene Sprache, ihre eigenen Universitäten und Schulen und genossen eine enorme Unterstützung seitens aller jugoslawischen Republiken. Doch dieser Autonomiestatus des Kosovos hatte es erlaubt, jede beliebige Gesetzgebung in Serbien zu blockieren.

Der jugoslawische Präsident hat 1989 diesen Autonomiestatus des Kosovo lediglich auf eine international übliche Ebene zurückgeschraubt, indem er die Polizei, die Gerichtsbarkeit und die rechtlichen Institutionen dort unter dem Einfluss des sog. „Überstaates“, sprich, Jugoslawiens, stellte. Unter Druck geraten, war Milosevic schließlich in Rambouillet bereit, den Kosovoalbanern wieder weitreichendere Zugeständnisse für ihre Autonomie einzuräumen.

Aber durch die bedingungslose Unterstützung des Westens und ihrer gleichgeschalteten Medien, die Milosevic die Schuld am möglichen Scheitern der Rambouillet-Verhandlungen zuschoben, ermutigt, pochten die Kosovoalbaner, die durch den als Massenmörder in Jugoslawien zu 22 Jahren Haft verurteilten Hashim Thaci vertreten waren, plötzlich auf die völlige Unabhängigkeit Kosovos von Jugoslawien. Als Thaci am Ende der Rambouillet- Verhandlungen den vom Westen ausgearbeiteten Vertrag schließlich unterzeichnet hatte, stand der jugoslawische Präsident plötzlich als Buh- Mann, als ein nicht zum Konsens fähiger Politiker da, als er sich weigerte, das Gleiche zu tun !!

Dabei wurde der Anhang des Rambouillet Vertrages (Annex B), der die „freie Beweglichkeit der NATO in ganz Jugoslawien, einschließlich des Luftraumes und der See sowie die völlige Immunität von NATO- Soldaten bzw. deren ausführenden Organen“, enthielt, die von keinem Politiker auf der Welt hätte unterzeichnet werden können, ohne die Souveränität des eigenen Landes preiszugeben, vor der eigenen Bevölkerung der westeuropäischen Staaten geheimgehalten. Nur die Parlamentarier dieser Länder bekamen den Annex B zu lesen, wurden aber zum Stillschweigen verurteilt.

Da sie sich feige an dieses Stillschweigeabkommen hielten und auch der damalige jugoslawische Präsident Milosevic außer Stande war, dieses „Vertragswerk“, genauer das „neokoloniale Unterwerfungsabkommen unter die NATO“, das hauptsächlich auf Druck der USA zustande gekommen war, zu unterzeichnen, war der Krieg vorgeplant!!
Ab 6. Februar 1999 verhandelte die jugoslawische Führung mit den Führern der Kosovo-Albaner.
Die Verhandlungen wurden am 19. März 1999 abgebrochen. Am 24. März 1999 begann
die NATO Jugoslawien anzugreifen.

H. Studte

3. Nachdem die NATO den souveränen Staat Jugoslawien, einschließlich dem Kosovo, ohne Kriegserklärung und völkerrechtswidrig überfallen und 78 Tage aus 8000 Meter Höhe feige und rücksichtslos bombardiert hatten, rechtfertigten das westliche Politiker, einschließlich vormaliger Linker, wie der damalige Bundeskanzler Schröder, der deutsche Außenminister Fischer sowie der damalige Verteidigungsminister Scharping mit der nicht zu überbietenden perfiden Lüge „Man musste ein 2. Auschwitz verhindern !“

Durch die NATO- Aggression wurde die ganze Infrastruktur, einschließlich aller jugoslawischen Werke, das Chemiewerk in Pancevo, Eisenbahnen, Brücken völlig zerstört. Wenn die jugoslawischen Arbeiter und Ingenieure nicht rechtzeitig reagiert hätten und die giftigen Lösungen verschiedener Behälter nicht abgeleitet worden wären, wäre die Region um Pancevo nach den Bombardements nicht mehr bewohnbar gewesen! Aber sogar Wohngebiete, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser wurden mit durch das Völkerrecht verbotenen Waffen wie radioaktiven Bomben (DU), Graffiti-Bomben u. ähnl. bombardiert.

4. Durch Druck von verschiedenen Seiten auf den jugoslawischen Präsidenten Milosevic, doch einzulenken, wenn die NATO nicht im ohnedies geschundenen Jugoslawien mit Bodentruppen einmarschieren und dieses Land vollends zerstören soll, akzeptierten die jugoslawische Regierung und das serbische Parlament schließlich einen ihnen vom EU – Sonderbeauftragten Ahtisaari und dem russischen Sonderbeauftragten der russischen Jelzin-Regierung Tschernomyrdin vorgeschlagenen sogenannten Friedensplan.

Dieser sah vor, dass der Kosovo integraler Bestandteil der Bundesrepublik Jugoslawien bleibt. Die Kampfhandlungen in diesem Gebiet sollten eingestellt und allen Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht werden. Außerdem schloss dieser Plan einen umgehenden Abzug aller jugoslawischen Sicherheitskräfte aus dem Kosovo und dem Einsatz einer internationalen Friedenstruppe unter erheblicher Beteiligung der NATO vor. Dieser Plan trat dann am 10. Juni 1999 vom UNO- Sicherheitsrat mit der Verabschiedung der UN- Resolution 1244 in Kraft.

Die Serben hielten ihr Wort. Sie zogen ihre Truppen vom Kosovo ab. Aber statt des von der sogenannten internationalen Gemeinschaft versprochenen Friedens herrschten in den folgenden Monaten das blanke Chaos, willkürliche Morde, die unter internationaler Kontrolle dort um das Zwanzigfache höher waren, als während des Krieges im von jugoslawischen Truppen besetzten Kosovo. Der Grund dafür war, dass die UNMIC die vormalige UCK in eine angeblich zivile Organisation, das Kosovo-Schutzkorps (KSK), umwandelte und dieses sogar aus UNO- Mitteln bezahlte. Falls einige wenige Gutgläubige vorher wirklich geglaubt hatten, mit dem Einmarsch „internationaler“ Truppen ( in Wirklichkeit in der Mehrzahl NATO- Truppen ), werde sich die Lage im Kosovo zum Besseren wenden, wurde bitter enttäuscht.

Tausende von Serben, Roma und Vertreter anderer Völkerschaften, einschließlich von Kosovoalbanern, verließen fluchtartig ihre ehemalige Heimat, die sie nicht mehr als die ihre erkannten.

Bald waren die Serben im Kosovo, der Wiege ihrer Nation, wie sie sie nennen, nur noch in der Minderheit und mussten tagtäglich um ihr Leben bangen, das sich bis heute in von internationalen Truppen bewachten Enklaven abspielt.

Die von den dort anwesenden sog. internationalen Truppen nicht verhinderte Vertreibung von ca. 230 000 Flüchtlingen (Serben, Roma und nicht wenigen der UCK-feindlichen Kosovoalbanern ), sowie das Pogrom an den im Kosovo verbliebenen Serben im Jahre 2004, das zahlreichen serbischen Menschen das Leben kostete, bei dem Hunderte verletzt und weitere 4500 Nichtalbaner vertrieben, 700 Häuser und zahlreiche Klöster blindwütig vernichtet wurden, taten ein übriges, den serbischen Flüchtlingen die Rückkehr in ihre ehemalige Heimat, dem Kosovo, endgültig zu verleiden.

Heute, nach der einseitigen Ausrufung der Unabhängigkeit des Kosovo im Februar 2008, ohne die Billigung der UNO, nach der völkerrechtswidrigen Anerkennung des Kosovos als souveräner Staat durch zahlreiche- auch westeuropäische- Staaten wollen sich viele Staaten bzw. westliche Politiker, die 1999 die militärischen Sezessionsbestrebungen der Kosovoalbaner unterstützt hatten, bewusst nicht mehr an die UNO- Resolution 1244 erinnern, in der der Kosovo als integraler Bestandteil von Serbien bezeichnet wurde.

Dafür gibt es einen gewichtigen Grund: die unermesslichen Naturreichtümer des Kosovos : 77 302 106 t Steinkohle, Kupfer, Zink, Blei, Nickel, Gold, Silber, Marmor, Mangan, Eisen, Asbest, Kalkstein u. a., um nur einige zu nennen.

Der Wert der Bodenschätze dort wird auf über Zehntausend Milliarden Dollar geschätzt und diese überaus bedeutsamen Bodenschätze in Händen der Arbeiter dort waren der eigentliche Hauptgrund für die militärische Einmischung des Westens durch die NATO in die Auseinandersetzungen zwischen jugoslawischer Armee und UCK im Jahre 1999. Die UCK wurden zudem jahrelang vom Westen über die Geheimorganisationen CIA und BND für diesen fälschlicherweise bis heute so bezeichneten „Bürgerkrieg im Inneren Jugoslawiens“ logistisch und militärisch ausgebildet und mit Millionen von Dollar und DM finanziell unterstützt.

Während des NATO- Krieges gegen Jugoslawien wurde die ganze Infrastruktur des Landes zerstört, die Trepca- Minen im Kosovo sparte man bei diesen Bombardements aus. Schließlich wollte man in den Trepca- Minen nach dem Kriege- nunmehr in Privatbesitz- nahtlos weiter Profit machen.

Um diesen Komplex, von Arbeitern bewacht, im Jahre 2000 in die Hand zu bekommen, wurden 2 faustdicke Lüge kolportiert:

- dass die Serben dort 1500 Kosovoalbaner verbrannt hätten und man das Ganze überprüfen müsse;

- dass die Bevölkerung durch die Umweltverschmutzungen der Trepca–Mine einem großem gesundheitlichem Risiko ausgesetzt ist.

Die von der NATO Tausendfach im Kosovo abgeworfenen radioaktiven Bomben aber wurden und werden bis heute nicht erwähnt !!

So landeten am 14. August 2000 von Helikoptern aus 900 bis an die Zähne bewaffneten britische, französische, italienische und pakistanische KFOR- Soldaten in den Trepca – Minen. Arbeiter, die ihr Werk erbittert verteidigten, wurden brutal zusammengeschlagen und z. T. schwer durch Tränengas und Plastikgeschosse verletzt. Anschließend wurden Betriebsleiter Manager und widerständische Arbeiter gefangengenommen.

In UNO- Papieren liest sich das bis heute so:

„Einleitung des Demokratisierungsprozesses im Kosovo“.

Aber in Wirklichkeit konnte man nun damit beginnen, die Trepca – Minen an private ausländische Konzerne zu „verscherbeln“.

Der mehrfach gesuchte Mörder an den Serben in der Kraina, Ceku, er war vor 1999 von der amerikanischen Söldnerfirma MPRI in Virginia als Killer ausgebildet worden und war von einem jugoslawischen Gericht für die Ermordung von 669 Serben vor allem in der Kraina verantwortlich gemacht, ist gegenwärtig Ministerpräsident des Kosovo und leitet sowohl die von der UNMIC geschaffene ICMM, als auch die KTA, beide verantwortlich für Privatisierungen im Kosovo !

Nachdem man den Kosovo unter internationale Aufsicht, sprich neokoloniale Verwaltung, gestellt hatte, wollte man nun auch die Serben unter das Diktat der Marktwirtschaft zwingen.
Im Jahre 2000 fanden in Jugoslawien Parlamentswahlen statt. Schon vor diesen Wahlen hatten führende NATO- Politiker gewarnt, sollte Milosevic wieder gewählt werden, dann sei eine erneute Bombardierung Jugoslawiens nicht ausgeschlossen ! Weiterhin wurde sowohl von den Medien der westlichen Staaten, als auch von der Opposition in Jugoslawien selbst, die schon Monate vorher westlicher seits finanziell und ideell unterstützt wurde, behauptet, Milosevic würde die Wahlen manipulieren. Auch diesem erheblichen Druck von außen war geschuldet, dass über 50% der Bevölkerung Serbiens nicht zur Wahl ging.

Im 1. Wahlgang fehlten Milosevic immerhin 700 000 Stimmen für einen Sieg. Aber auch die vom Westen unterstützte DOS, die Kostunica als ihren Kandidaten auserkoren hatte, erreichte im 1. Wahlgang nicht die erforderliche Stimmenmehrheit.

Da sowohl der Westen, als auch die innere Opposition es nicht auf eine Stichwahl ankommen lassen wollte, verlegte man den Kampf vom Wahllokal auf die Strasse, indem die Opposition mit der vom Westen aus der Taufe gehobenen OTPOR-Studentenorganisation Hand in Hand arbeitete, die, wie man später erfuhr, von der CIA in Sofia trainiert worden war. Nach 78 Tagen NATO- Bombardement prangerte diese nicht den Aggressor, sondern den Präsidenten ihres Landes an mit Worten, die aus dem Think Tank der NATO stammten. Überall prangten die von ihnen gesprühten Losungen :“Er ( gemeint war Milosevic!) ist fertig!!

Als dann noch eine Oppositionsgruppe von 4000 Mann aus Cazak mit Bussen und Autos anrückte und das Parlament stürmte, in dem man nochmals mit der Auszählung von Stimmzetteln beschäftigt war, erreichte der von außen inszenierte Putsch seinen Höhepunkt. Nachdem leider auch einige frühere einflussreiche Anhänger Milosevics die Seiten gewechselt hatten, so der frühere Geheimdienstchef Jovica Stanisic und sein früherer Generalstabchef Momcilo Perisic, hielt man es nicht mehr für nötig, sich an die parlamentarischen Regeln zu halten. Eine Stichwahl zwischen Milosevic und Kostunica wurde nicht durchgeführt !! Nach der rechtswidrigen Wahl wurde Kostunica zum Präsidenten Jugoslawiens ernannt. Die damalige US- Außenministerin Albright hatte danach entzückt ausgerufen: „Nun ist endlich die letzte Bastion des Sozialismus in Europa gefallen !“

Als Dank für ihren Anteil am Systemwechsel in Jugoslawien bekam die Studentenorganisation OTPOR seitens der Friedrich Ebert- Stiftung 1 Jahr später den Menschenrechtspreis 2001!

Unter der Kommentierung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschlands zum Artikel 87a, kann man lesen:

„Im Spannungsfall können die Streitkräfte zivile Objekte schützen... und bei der Bekämpfung organisierter... Aufständischer tätig werden...“

Das gilt freilich nur für die eigene politische und wirtschaftliche Ordnung im eigenen Lande und die der anderen westlichen Länder. Für Länder anderer Gesellschaftsordnungen gelten freilich, wie das am Beispiel des damaligen Sozialistischen Staates Jugoslawien praktiziert wurde, andere Maßstäbe! Fazit: Das sozialistische Jugoslawien gibt es seit 10 Jahren nicht mehr.

Ausschlaggebend dafür waren monatelange Bombardements, aber auch politischer wirtschaftlicher Druck, Lügen und Bestechungen von Kollaborateuren im Inneren in Millionenhöhe durch namhafte Organisationen der NATO- Länder mit dem Ziel, auch in diesem Lande die kapitalistische Marktwirtschaft einzuführen.

Dies ist ihnen gelungen. Der frühere jugoslawische Präsident Milosevic ist, leider auch durch den Verrat eigener Leute, vor den sogenannten Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, einem ausführenden Organ der NATO, gezerrt worden. Dort hat er tapfer seine Anschauungen und sein Land verteidigt. Der Hass auf alles nur im entferntesten an Sozialismus Erinnernde und die Macht des Kapitals haben Milosevic auf dem Gewissen.

Heute haben wir in Jugoslawien, wie bei uns in der ehemaligen DDR, Arbeitslosigkeit, Zugang zur Bildung, Kultur und guten medizinischen Betreuung nur für wenige, Korruption in Millionenhöhe, Armut auf der einen für die Mehrzahl der Bevölkerung, und Reichtum für einige Auserlesene, eine hohe Kriminalitätsrate, Prostitution, Drogen- und Menschenhandel- alles Dinge, die es im Sozialismus nicht gab. Dazu kommt die Sorge um unsere Söhne, Töchter und Enkel.

Statt zu einer erhofften Versöhnung zwischen den Systemen (Sozialismus und Kapitalismus ), an die nicht wenige führende blauäugige Politiker der ehemaligen sozialistischen Staaten damals glaubten, kam es seither zu einer größeren Anzahl von Kriegen überall auf der Welt.

Die Aussagen der Klassiker des Marxismus- Leninismus, dass Kriege dem Kapital mit seiner expansiven Ausdehnung nach Profiten und Rohstoffen immanent sind, hat sich bewahrheitet.

Mehr noch, und wir sehen das heute am fortgeschrittensten kapitalistischen Land der Welt, den USA, bestätigt. Die Rüstungen selbst sind die größte Ware auf der Welt, die gehandelt wird.

Und damit das so bleibt, müssen Kriege auf dem Reißbrett geplant und durchgeführt werden, so wie der NATO- Krieg gegen das einst blühende Land Jugoslawien.

Aber wir, die Volksmassen aller Länder, haben es in der Hand, dieses Gesellschaftssystem, das nicht das unsere sein kann, zu ändern. Viele Jahrzehnte Sozialismus, unterschiedlich ausgeprägt in den verschiedenen sozialistischen Ländern des sozialistischen Gesellschaftssystems, haben es bewiesen, das es auch anders geht.

In einer Welt der Finanzkrisen der Kriege, des Desasters, kann es nur heißen: „Sozialismus oder Untergang der Menschheit !“
und die Mütter gegen den Krieg Berlin- Brandenburg
Als am 24.03.1999 die NATO, einschließlich Deutschlands, ihren Aggressionskrieg gegen den souveränen Staat Jugoslawien begann, entschlossen sich 160 Friedensbewegte, Frauen und Männer, darunter die „Mütter gegen den Krieg“ von Dresden aus mit einem Bus- Konvoi nach Belgrad zu fahren, um den Menschen vor Ort zu zeigen, dass es auch ein anderes Deutschland gibt, das den Schwur der KZ- Häftlinge aller Länder nach dem II. Weltkrieg „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, ernst nahm.

Die Massenmedien, größtenteils in den Händen großer Monopolgruppen, erzählten den Menschen in aller Welt, dass die Serbische Armee und Polizei ein Genozid im Kosovo veranstalten, dass diese die albanischen Menschen im Kosovo töten würden und die NATO eingreifen müsse, um weitere Morde zu verhindern. Als wir in Jugoslawien ankamen und die zerstörten Häuser, Schulen, Fabriken und Brücken mit unseren eigenen Augen gesehen hatten, verstanden wir, dass sich dieser, seitens der NATO geführte Krieg, nicht gegen die serbische Armee oder Panzer mit von der NATO bis in die heutige Zeit heuchlerisch genannten „Panzer brechenden Waffen“ (Depleted Uranium bombs) richtete, sondern gegen das jugoslawische Volk selbst. Die radioaktiven Bomben von 8000 Metern Höhe konnten nicht unterscheiden, ob sie gegen Serben, Albaner, Roma, oder Menschen anderer Nationalität dieses Vielvölkerstaates gerichtet waren.

Wer also hat im Kosovo und anderen Teilen Jugoslawiens wirklich ein Genozid verübt ?.Es war die NATO mit ihren Bomben, deren Ergebnisse in Form von jährlich steigenden Krebser-krankungen und missgebildeten Kindern bis in die heutige Zeit und über viele Generationen hinaus wirksam bleiben wird. Heute wissen wir alle, dass dieser Krieg im Jahre 1999 gegen Jugoslawien darauf gerichtet war:
  1. das sozialistische System in Jugoslawien zu beseitigen.
  2. sich die reichen Rohstoffvorkommen, besonders des Kosovos ( dort lagern die größten Steinkohlereserven von Europa, Silber, Gold, Bauxit, Mangan u. a.) seitens der internationalen Monopolbourgeoisie in neokolonialistischer Manier anzueignen.
  3. diesen Krieg als Sprungbrett für weitere Kriege zu benutzen, besonders gegen das rohstoffreiche Russland und im asiatischen Raum einflussreiche China. Nicht umsonst befindet sich gegenwärtig der größte Militärflugplatz der USA außerhalb ihres Territoriums im Kosovo !
Das rohstoffreiche Kosovo liegt heute größtenteils in den Händen der internationalen Monopolbourgeoisie. An dessen Spitze fungiert Agim Ceku -1999 von der amerikanischen Söldnerfirma MPRI in Virginia als Killer ausgebildet und von einem jugoslawischen Gericht für die Ermordung von 669 Serben in der Kraina verantwortlich gemacht - ist gegenwärtig Ministerpräsident des Kosovo und leitet sowohl die von der UNMIC geschaffene ICMM, als auch die KTA, beide verantwortlich für Privatisierungen im Kosovo ! Nachdem man den Kosovo unter internationale Aufsicht, sprich neokoloniale Verwaltung, gestellt hatte, wollte man nun auch die Serben unter das Diktat der Marktwirtschaft zwingen. Nach gefälschten Wahlen, Druck und Bestechung von vielen Millionen Dollar kam auch in Serbien eine dem Westen freundlich gesinnte Regierung an die Macht und der vormalige jugoslawische Präsident Milosevic wurde vor den sogenannten, nur für Jugoslawien geschaffenen Internationalen Gerichtshof in Den Haag gezerrt und kam dort am 11. März 2006 unter sehr merkwür-digen Umständen ums Leben. Ein Teil unserer Vereinigung „Mütter gegen den Krieg Berlin- Brandenburg“ war vom 23.-26.4.09 anlässlich des 10. Jahrestages des NATO- Bombarde-ments auf Jugoslawien auf einer großen internationalen Konferenz in Belgrad mit Vertretern aus mehr als 40 Ländern anwesend. Das Resüme’ der Veranstaltung war: Würde es noch das sozialistische Weltsystem geben, gäbe es auch diese verheerenden Kriege seitens der NATO weltweit nicht. Lasst uns gemeinsam für eine Welt ohne Kriege, für eine gerechtere Gesell-schaftsordnung kämpfen !

Mütter gegen den Krieg Berlin- Brandenburg, 5.4.2009

Quelle: Die Autorin

Über den Autor

Brigitte Queck ist eine assoziierte Autorin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin als auch die Quelle genannt werden.

»Der Haß auf dem Balkan wurde von außen gesät«


»Der Haß auf dem Balkan wurde von außen gesät«

 


Gespräch mit Diana Johnstone. Über antiserbische Propaganda und die Zersplitterung Jugoslawiens, den völkerrechtswidrigen Krieg der NATO und ihr Rechtfertigungstribunal in Den Haag

Interview: Cathrin Schütz

Die Publizistin Diana Johnstone gilt als eine der führenden kritischen Balkanexpertinnen. Sie veröffentlicht regelmäßig im US-Politmagazin Counterpunch. Zu ihren Büchern zählt »Fools’ Crusade: Yugoslavia, ­NATO and Western Delusions« (Pluto, 2002). Von 1979 bis 1990 war Diana Johnstone Europa-Redakteurin der US-Zeitung In These Times. Von 1990 bis 1996 leitete sie die Presseabteilung der Grünen im Europaparlament. Heute lebt die gebürtige US-Amerikanerin in Paris.

Am 24. März 1999, vor zehn Jahren also, begann die NATO ihren Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Während sich viele erst im Zuge dieser Aggression der Problematik annahmen, sorgten Sie schon zu Beginn der Jugosla­wien-Krise Anfang der 1990er Jahre mit kritischen Berichten für Aufsehen. Wie hat alles angefangen?

Während meines Slawistik-Studiums vor 40 Jahren verbrachte ich mehrere Monate in Jugoslawien. Als sich viele Jahre später die Krise abzuzeichnen begann, holte ich mir meine Informationen nicht aus den Medien oder offiziellen Nachrichten, sondern von den alten Freunden aus Jugoslawien. Mich interessierte, wie sie die Entwicklung einschätzten und die Lage beschrieben. Dabei begegneten mir viele verschiedene Ansichten, und ich versuchte, mir daraus mein eigenes Urteil zu bilden. Als Europa-Redakteurin der US-amerikanischen sozialdemokratischen Wochenzeitung In These Times hatte ich schon 1984 über die Gefahr einer Zersplitterung Jugoslawiens geschrieben. Der wiedererstarkende kroatische Nationalismus war mir dabei ebenso eine Warnung wie vor allem der Druck des albanischen Separatismus in der serbischen Provinz Kosovo, die ich schon als Studentin besucht hatte. All das war lange bevor Slobodan Milosevic in Serbien 1987 an die Macht kam – was übrigens nicht die Ursache, sondern eine Reaktion auf eben diese bestehenden Probleme war.

Sie haben einmal geschrieben, das ganze Bild über den Balkan-Konflikt stehe auf dem Kopf …
Die vorherrschende Version, die sich über den Zusammenbruch Jugosla­wiens durchsetzte, hat ihren Ursprung in den deutschen Medien. Nach und nach wurde sie von allen westlichen Medien und Politikern übernommen. Dabei hat die Meinungsmache der in Washington ansässigen Werbefirma »Ruder Finn« eine zentrale Rolle gespielt. Ihre Auftraggeber waren kroatische Nationalisten und die führende muslimische Partei in Bosnien. Die einfache und erfolgreiche Methode ihrer Propagandakampagne war es, etwas Kompliziertes, worüber die Öffentlichkeit nicht viel wußte, nämlich Jugoslawien, mit etwas zu vergleichen, was jeder kennt: Hitler und die Nazis. Die Serben wurden als »neue Nazis« bezeichnet, die vom »neuen Hitler«, ­Slobodan Milosevic, angeführt werden. Ein komplexer Bürgerkrieg in einem zerfallenden Staat wurde als eine Art »krimineller Anschlag« des »neuen Hitler« dargestellt, der einen Eroberungskrieg vom Zaun brach – in seinem eigenen Land. Dabei hat er Verbrechen begangen, die denen der Nazi glichen und schließlich zum »Völkermord« führten. Dieser groteske Vergleich hatte Erfolg und führte dazu, daß eine große Zahl naiver Journalisten, Kommentatoren, Politiker und »Menschenrechtsaktivisten« das Gefühl hatte, die Heldenkämpfe des Spanischen Bürgerkriegs oder der Widerstandsbewegungen der frühen vierziger Jahre erneut zu durchleben.

Und wie würden Sie gleichermaßen verkürzt dieses Bild korrigieren?
Diese Darstellung steht auf groteske Weise im Gegensatz zu der realen Situation in Jugoslawien. Milosevic war zu keiner Zeit ein »Diktator«. Serbien spielte nicht die Rolle des »Eroberers«, sondern es war der historische Mittelpunkt Jugoslawiens. Die Führer Sloweniens und Kroatiens, der reichsten, nördlichen Republiken, strebten nach Abspaltung von den ärmeren Landesteilen, weil sie sich von der Perspektive der Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft angetrieben fühlten. Die Serben waren in der Defensive. Administrative Grenzen aus der Tito-Zeit teilten Jugoslawien und teilten das serbische Volk in jene, die im Mutterland lebten, und die große Zahl derer, die in Kroatien und Bosnien lebten. Die Behauptung, Milosevic wollte ein »Groß-Serbien« errichten, wurde während des Prozesses gegen ihn vor dem Jugoslawien-Tribunal in Den Haag gänzlich widerlegt. Jugoslawien war bereits ein »Groß-Serbien«, nämlich in dem Sinne, als daß alle Serben Bürger des gleichen Landes waren. Tatsache ist, daß die meisten in Kroatien und Bosnien lebenden Serben die Abspaltung von Jugoslawien schlichtweg nicht wollten. Es ist ironisch, daß gerade das eben wiedervereinigte Deutschland loszog, die Serben auseinanderzureißen, indem es ihr Land zerteilte.

Sie spielen darauf an, daß die deutsche Regierung unter Helmut Kohl (CDU) und Hans-Dietrich Genscher (FDP) eine Vorreiterrolle bei der Anerkennung Kroatiens einnahm. Viele behaupten, dieser Schritt hätte eine friedliche Lösung vereitelt und zum Krieg geführt.
Im September 1991 sagte der damalige deutsche Verteidigungsminister Rupert Scholz mit deutlichen Worten, daß die Anerkennung eines unabhängigen Sloweniens und Kroatiens den Jugoslawien-Konflikt so verändern könnte, daß eine »internationale Sicherheitsverantwortung« entstünde, kurz: daß ausländische Kräfte, genauer die NATO, intervenieren könnten. Und tatsächlich zielte die Anerkennung darauf, den Konflikt zu internationalisieren, und nicht etwa darauf, ihn zu befrieden. Das erlaubte Deutschland, das Ziel zu erreichen, von dem Scholz offen sprach: die Folgen des Ersten Weltkriegs zu überwinden. Man rächte sich an Serbien für das, was 1914 bis 1918 geschah, und unterwarf Slowenien und vor allem Kroatien mit seinem wertvollen Zugang zum Mittelmeer deutschem Einfluß. Zuerst wollte kein anderes Land der Europäischen Gemeinschaft diese nicht ausgehandelte Anerkennung der Abspaltung unterstützen, doch Deutschland machte die Umsetzung des Maastricht-Vertrages von der Kooperation der anderen Staaten in Sachen Jugoslawien abhängig.

Indem Politik und Medien hierzulande also zum dritten Mal im 20. Jahrhundert den »serbischen Feind« beschworen, wurde handfeste Interessenpolitik verfolgt?
Klar ist, daß die Realität sehr viel komplexer war als die von den Medien und der Politik kolportierte einseitige Sichtweise. Ich habe seit 1990 im Europaparlament gearbeitet, wo der Einfluß Otto von Habsburgs enorm war. Als Erbe des Throns des Österreichisch-Ungarischen Reichs, das Slowenien und Kroatien nach dem Angriff auf Serbien und dem Beginn des Ersten Weltkriegs verlor, hatte Habsburg seine ganz persönlichen Motive für eine Dämonisierung der Serben und die Förderung der Unabhängigkeitsbestrebungen Sloweniens und Kroatiens. Was mich vielmehr überraschte, war die Art, wie andere Mitglieder des Parlaments ihm ohne Zögern folgten. Die meisten Politiker wissen nicht viel über Geschichte und sind von einem wie Habsburg, der viele Sprachen beherrscht und gebildet ist, leicht zu beeindrucken. Am meisten überraschten mich, wie deutsche Journalisten das antiserbische Feindbild der beiden Weltkriege wieder aufleben ließen. Ich selbst wußte zuerst nicht, was ich denken sollte, doch eines war klar: Die Situation war nicht so einfach, wie sie dargestellt wurde, wenn es hieß, die Serben seien die bösen und alle anderen seien unschuldig.

Hat nicht auch Daniel Cohn-Bendit eine maßgebliche Rolle gespielt, als er 1994 ins Europäische Parlament einzog, kurz nachdem er sich für eine militärische Intervention zugunsten der bosnischen Muslime eingesetzt hatte?
Auf jeden Fall! Cohn-Bendit war der erste prominente Grüne, der nach einer Militärintervention gerufen hat. Joschka Fischer sagte später, es sei Dany gewesen, der ihn in dieser Frage maßgeblich beeinflußt habe. Aber natürlich paßte Fischer seine Haltung auch seinen Ambitionen an, Außenminister eines NATO-Staates zu werden. Cohn-Bendit jedenfalls gelang es, die Grünen auf Kriegskurs zu bringen. Und die Medien haben ihn dabei tatkräftig unterstützt. Cohn-Bendits Haltung wurde immer hofiert, während andere Positionen ignoriert wurden.

Von Beginn der jugoslawischen Bürgerkriege 1991 an gab es eine konzertierte Falschdarstellung von Medien und Politik. Welche Rolle spielten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die in der breiten Öffentlichkeit ja ein hohes Ansehen genießen. Inwiefern wirkten sie dabei mit, die Bevölkerungen im Westen im Falle Bosniens und Kosovos auf NATO-Kriegskurs zu bringen?
Heute sieht man klarer als damals, daß es den »humanitären Interventionisten« um eine Rettung und letztlich auch Stärkung der NATO ging, die man nach dem Kalten Krieg mit einer neue Rolle ausstatten wollte. Jeden Tag werden in hochentwickelten Gesellschaften wie den USA und Deutschland Frauen mißbraucht und vergewaltigt. Während eines Bürgerkriegs kommt es immer vermehrt zu dem, was ich als »opportunistische Straftaten« bezeichnen würde, etwa Plünderungen, Vergewaltigungen, persönliche Racheakte. Im Falle des Krieges in Bosnien haben Menschenrechtsorganisationen und von der muslimischen Kriegspartei beauftragte Werbefirmen nur von serbischen Vergewaltigern gesprochen. Reporter haben diese Geschichten übernommen und konsequent alle Fälle ignoriert, in denen serbische Frauen Opfer von Vergewaltigung durch Kroaten oder Muslime wurden.

Organisationen wie Human Rights Watch und jene unter George Soros’ Führung haben bei der Zerschlagung Jugoslawiens eine weithin unterschätzte Rolle gespielt. Nur wenigen ist bekannt, daß in den Führungsetagen dieser sogenannten Nichtregierungsorganisationen frühere Spitzenpolitiker der NATO-Staaten sitzen. Und bis heute sind diese NGOs in die westliche Balkanpolitik involviert.
Die Rolle der NGOs steht mit der in den letzten Jahrzehnten vorherrschend gewordenen Ideologie der extremen Marktfreiheit in Verbindung. Nach dieser Ideologie ist es respektabler, »regierungsunabhängig« zu sein, als mit der Regierung in Verbindung zu stehen. Der Witz ist, daß so, wie Regierungen den Kapitalismus auf verschiedene Weise stützen, die »Nichtregierungsorganisationen« tatsächlich von Regierungen finanziert werden und eine ihnen genehme Politik betreiben. Tatsächlich sind diese »Nichtregierungsorganisationen« so undemokratisch wie private Unternehmen. Die Bevölkerung hat über sie keinerlei Kontrolle. Sie porträtieren sich als Experten moralischer Werte wie »Menschenrechte«. So können sie noble Werte für ihre Machtpolitik ausbeuten. In Frankreich hat die von Bernard Kouchner gegründete Organisation »Médecins du Monde«, die Medizin an Arme verteilen soll, Millionen für eine Plakatkampagne ausgegeben, in der die Serben als Nazis gebrandmarkt wurden – um nur ein Beispiel der endlosen Liste zu nennen, wo NGOs politische Propaganda machten.

Warum hat die westliche Linke beim Thema Jugoslawien weitgehend versagt?
Die Haltung der Linken war eine Schande. Den Ursprung des Problems sehe ich darin, daß sich eine Ideologie durchgesetzt hat, die 1968 ihren Ursprung hatte, wonach die individuelle Selbstverwirklichung über die soziale Gerechtigkeit gestellt wird. Dieser Wandel hat einen neuen moralischen Rahmen gesetzt, in dem Opfer ökonomischer Ausbeutung nicht mehr interessierten und man die Sympathie statt dessen auf »Opfer von Menschenrechtsverletzungen« in anderen Ländern richtete, vor allem aus jenen Ländern, die einige Reste des real existierenden Sozialismus bewahrten. Die Linke hörte auf zu denken und begann zu fühlen – Empörung zu fühlen in einem dualistischen Rahmen von Gut und Böse. Die zentralen ökonomischen Ursachen der jugoslawischen Krise wurden völlig ausgeblendet. Statt die Problematik zu sehen, daß die reichen Republiken Slowenien und Kroatien der IWF-initiierten Schuldenfalle entkommen wollten, malte man ein Bild vom bösen Serben, der für alles verantwortlich zu sein hat. Dieser Infantilismus hat die Linke infiziert.

Das von Ihnen eingangs geschilderte falsche Bild über den Balkan-Krieg hält sich bis heute unangefochten. Als Kritiker wird man oft mit dem Verweis auf Srebrenica und das Urteil des Jugoslawien-Tribunals, das die Geschehnisse dort als Völkermord wertet, unsachlich diffamiert. Wie erleben Sie das? Haben Sie den Eindruck, daß es gelungen ist, am Bild zu rütteln?
Wer die von den mächtigsten Staaten und Medien mit großer Intensität und Schlagkraft verbreitete Version der Wahrheit herausfordert, sollte geduldig sein. Das Problem ist nicht nur, daß Regierungen die jugoslawische Tragödie zu ihren eigenen politischen und strategischen Zielen ausgenutzt haben. Das eigentliche Problem ist, daß Millionen Menschen diese dramatische Geschichte der bösen Serben, die ethnische Säuberungen begingen und Unschuldige abschlachteten, geglaubt haben und ihre eigenen Emotionen in dieses Bild investierten. Ich denke nicht, daß ich es noch erleben werde, daß sich die Wahrheit durchsetzt. Doch bis dahin werde ich mich nicht davon abhalten lassen, auch nicht von einem möglichen neuen europäischen Gesetz, das das »Leugnen oder Verharmlosen eines Völkermords« unter Strafe stellt, zu glauben, daß einer keinen »Völkermord« verübt, der Frauen und Kinder mit Bussen in Sicherheit bringen läßt, wie es die bosnischen Serben in Srebrenica getan haben.

Welche Rolle spielt das Ad-hoc-Tribunal der Vereinten Nationen in Den Haag bei der Aufrechterhaltung der Propagandaversion? Es wurde immerhin von den USA und Deutschland initiiert, die schon damals am meisten in den blutigen Krieg verstrickt waren.
Einige an der Gründung dieses Gerichts beteiligte US-Amerikaner haben zugegeben, daß man mit dem Tribunal ein Instrument schaffen wollte, mittels dem man die Serben politisch unter Druck setzten konnte, etwa durch die Androhung oder Erhebung von Anklagen. Das Tribunal wurde zum maßgeblichen Propagandainstrument zur Verteidigung der NATO-Version des Krieges 1999 und um Serbien scheinbar endlos unter Druck setzen zu können. In den Anklageschriften hallen die NATO-Fiktionen wider, die jede serbische Selbstverteidigung als Teil eines sogenannten »gemeinschaftlichen kriminellen Unternehmens« sehen. Die wenigen Anklagen, die das Tribunal gegen Nicht-Serben erhoben hat, sollen offenbar die Unparteilichkeit des Tribunals zeigen. Dabei beweisen sie das Gegenteil. Der muslimische Kriegsherr aus Srebrenica, Naser Oric, der sich vor Journalisten mit Bildern von abgeschlachteten Serben brüstete, wurde erst viele Jahre später angeklagt, allerdings nie für die schlimmsten Verbrechen, die er begangen hat. Am Ende wurde er sogar freigesprochen. Dem berüchtigten kosovo-albanischen Clanfürsten und UCK-Führer Ramush Haradinaj wurde während seines Prozesses Freigang gewährt. Er konnte zurück ins Kosovo reisen, worauf es zu zahlreichen massiven Drohungen gegen Zeugen der Anklage kam.

Zeugen im Haradinaj-Prozeß wurden nicht nur eingeschüchtert, sondern ermordet.
In der Tat. Und trotz alledem hat das Tribunal Haradinaj freigesprochen. Andere bekannte Serbenkiller wurden nicht einmal angeklagt. Das Tribunal führt politische Schauprozesse, die im Falle von nicht-serbischen Beschuldigten eine miserable Anklage führen. Die Prozeßführung ist überhaupt ein Skandal. Doch wie fehlerhaft und ignorant das Tribunal ist, seine Arbeit dient der Aufrechterhaltung des Märchens, der Jugoslawien-Konflikt sei ein Resultat serbischer Aggression gewesen und der NATO-Krieg gegen Serbien, im Zuge dessen die Infrastruktur des Landes zerstört, hilflose Zivilisten getötet und das Kosovo faktisch abgetrennt wurden, sei gerechtfertigt gewesen. Das Tribunal ist eine böse ­Korruption der Rechtsprechung – das sollte jeden in Alarm versetzten, der für Recht und Gesetz eintritt.

Warum bleibt Jugoslawien ein Thema, das Sie bis heute nicht losläßt?
Mir wäre es lieber, ich könnte das alles Jüngeren überlassen. Künftig möchte ich mich gerne mit dem weiteren Kontext der Jugoslawien-Tragödie befassen. Also mit der NATO-Erweiterung, der Untertänigkeit der EU gegenüber der NATO und vor allem der aggressiven Einkesselung Rußlands – was alles darauf abzielt, die EU im von den USA angeführten westlichen »Lager« zu verankern und eine friedliche Partnerschaft mit Rußland, die für die USA das Einbüßen ihrer Vorherrschaft bedeuten könnte, zu unterbinden. Die Dominanz über die EU und die NATO-Erweiterung sowie die Isolation Rußlands gehören zu den von Zbigniew Brzezinski beschriebenen Zielen der USA. Diese geopolitische Kontrolle war der wirkliche Grund für den NATO-Angriff auf Jugoslawien vor zehn Jahren, nicht der Einsatz für »Menschenrechte«.

Wie wird es weitergehen mit »Jugoslawien«?
Mich besorgt am meisten die Perspektive der jungen Generation von Serben, die sich danach sehnen, »Teil von Europa« zu sein. Das verführt sie dazu, die Lügen über ihr Land entweder zu schlucken oder völlig zynisch zu werden. Obwohl das zu diesem Zeitpunkt unmöglich erscheint, liegt die größte Hoffnung für die Serben, Muslime und Kosovo-Albaner darin zu erkennen, daß sie von ausländischen Kräften mißbraucht und gegeneinander ausgespielt wurden, damit diese ihre eigenen geopolitischen Interessen durchsetzen konnten. Der Haß wurde von außen gesät. Die Versöhnung der Völker des Balkan ist die Bedingung für ihre wahre Unabhängigkeit.

Der Mafia-Staat Kosovo und das Camp Bondsteel: Die USA streben eine permanente Militärpräsenz in Südost-Europa an

Der Mafia-Staat Kosovo und das Camp Bondsteel: Die USA streben eine permanente Militärpräsenz in Südost-Europa an



Die USA wollen dem Mafia-Staat Kosovo den Weg in die NATO und in die Europäische Union ebnen, um sich eine permanente Militärpräsenz auf dem Balkan zu sichern.

Von F. William Engdahl
Global Research, 12.04.12

Die bizarre Kosovo-Strategie der USA könnte die NATO zerstören


In einer eher bizarren außenpolitischen Erklärung der bizarren Obama-Regierung hat die US-Außenministerin Hillary Clinton angekündigt, Washington werde dem Kosovo "helfen", sich sowohl der NATO als auch der Europäischen Union anzuschließen. Das hat sie Hashim Thaci, dem Premierminister des Kosovo, bei einem Treffen in Washington versprochen, bei dem sie auch "die Fortschritte der Thaci-Regierung bei der europäischen Integration und der Wirtschaftsentwicklung" lobte". (1

Ihre Ankündigung hat zweifellos vielen Regierungsvertretern und Militärs in verschiedenen Hauptstädten europäischer NATO-Mitglieder heftige Bauchschmerzen verursacht. Nur wenige billigen den verrückten Plan der Frau Clinton, der NATO und der EU das Kosovo aufzuhalsen.

Die geopolitische Bedeutung des Kosovo

Das umstrittene Stück Land, das heute Kosovo genannt wird, war ein Teil Jugoslawiens und gehörte dann zu Serbien, bis die NATO 1999 Milosevics Serbien zerbomte und damit den USA, die von einigen EU-Staaten und besonders von Deutschland unterstützt wurden, die Möglichkeit verschaffte, das ehemalige Jugoslawien in winzige, abhängige Pseudostaaten zu zerstückeln. Dabei entstanden auch das Kosovo und Mazedonien. Slowenien und Kroatien hatten sich schon früher von Jugoslawien abgespalten, mit starker Unterstützung des deutschen Außenministers (Genscher). (Weitere Infos dazu sind hier nachzulesen.)

Eine kurzer Rückblick auf die Umstände, die zur Abspaltung des Kosovo von Jugoslawien führten, kann die Risiken sichtbar machen, die eine Mitgliedschaft des Kosovo in der NATO und in der EU für die Zukunft Europas bedeuten würde. Hashim Thaci, der gegenwärtige Premierminister des Kosovo, erhielt sein Amt nicht durch freie demokratische Wahlen, sondern vom US-Außenministerium. Das Kosovo wird von Russland, Serbien und über 100 weiteren Staaten nicht als legitimer Staat anerkannt. Als es 2008 seine Unabhängigkeit erklärte, wurde es jedoch sofort von der Bush-Administration und von (der Regierung in) Berlin anerkannt.

Wenn das Kosovo Mitglied der EU würde, könnten sich auch andere gescheiterte Staaten eingeladen fühlen; das braucht die US-Außenministerin Clinton nicht zu stören, aber die EU sollte sich in ihrer aktuellen Krise nicht darauf einlassen. Selbst nach wohlmeinenden Schätzungen liegt die Arbeitslosigkeit im Kosovo bei 60 Prozent, also fast auf Dritte-Welt-Niveau. Auch als das Kosovo noch zu Jugoslawien gehörte, war es der ärmste Teil des Landes, und heute ist alles noch schlimmer. Das eigentliche Problem für den Frieden und die Sicherheit in der EU wäre aber der innere Zustand des Kosovo, das Ende der 1990er Jahre von Washington geschaffen wurde.

Der Mafia-Staat und das Camp Bondsteel

Camp Bondsteel, Wikipedia
Das Kosovo ist zwar ein winziges Ländchen, gehört aber wegen seiner geopolitischen Bedeutung zu den strategisch wichtigsten Positionen in ganz Europa; von dort aus kann das US-Militär die Ölströme und die politischen Entwicklungen vom ölreichen Mittleren Osten bis nach Russland und Westeuropa kontrollieren. Die von den USA gewünschte Anerkennung des Kosovo, das sich selbst zur Republik erklärt hat, ist eine konsequente Fortsetzung der US-Politik auf dem Balkan, die mit der völkerrechtswidrigen Bombardierung Serbiens durch die USA und die NATO im Jahr 1999 begann; dieser Out-Of-Area-Einsatz der NATO war nicht vom UN-Sicherheitsrat gebilligt und erfolgte, weil die Armee Milosevics angeblich kurz davor war, an den Albanern im Kosovo Völkermord zu begehen.

Einige Monate vor der US-geführten Bombardierung serbischer Ziele, einem der schwersten Bombardements seit dem Zweiten Weltkrieg, erläuterte ein höherer US-Geheimdienstler in einem privaten Gespräch in Zagreb höheren Offizieren der kroatischen Armee Washingtons Strategie für die Zerschlagung des ehemaligen Staates Jugoslawien. Nach einer Information über dieses Gespräch, die der Autor privat erhielt, hatte das Pentagon bereits gegen Ende des Jahres 1998 die Absicht, das Kosovo unter seine Kontrolle zu bringen, weil es sich eine Militärbasis sichern wollte, von der aus ganz Südost-Europa bis zu den Ölländern im Mittleren Osten zu kontrollieren ist.

Seit Juni 1999, als die Kosovo Force / KFOR der NATO das Kosovo besetzte, das damals offiziell noch zu Jugoslawien gehörte, stand es durch die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates praktisch unter einem Mandat der Vereinten Nationen. Auch Russland und China hatten diesem Mandat zugestimmt, das der KFOR die Rolle zuwies, den Konflikt zwischen den Volksgruppen und die grausamen Kämpfe zwischen der serbischen und anderen Minderheiten und der Mehrheit der muslimischen Kosovo-Albaner zu beenden. Nach der Resolution 1244 sollte das Kosovo nur befriedet werden, aber weiterhin ein Teil Serbiens bleiben. Diese UN-Resolution haben die USA, Deutschland und andere EU-Staaten 2008 einfach ignoriert (als sie das Kosovo als unabhängigen Staat anerkannten).

Die schnelle Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch Berlin und Washington im Februar 2008 erfolgte nur wenige Tage, nachdem der prowestliche Boris Tadic zum zweiten Mal für vier Jahre zum (serbischen) Präsidenten gewählt worden war. Nach Tadics Wiederwahl konnte Washington mit einer entgegenkommenden serbischen Reaktion auf die Anerkennung des Kleinstaates Kosovo rechnen.

Sofort nach dem Bombenkrieg gegen Serbien im Jahr 1999 beschlagnahmte das Pentagon ein 1.000 Acres (404,7 ha) großes Areal bei Uresevic in der Nähe der Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien; es beauftragte die Firma Halliburton, deren Vorstandsvorsitzender damals Dick Cheney war, dort das Camp Bondsteel, eine der größten US-Militärbasen im Ausland, zu bauen, in der heute über 7.000 US-Soldaten stationiert sind (s. dazu auch hier).

Bis heute hat sich das Pentagon bereits sieben neue Militärbasen in Bulgarien und Rumänien, am Schwarzen Meer und auf dem nördlichen Balkan gesichert, darunter die Flugplätze Graf Ignatievo und Bezmer in Bulgarien und den Flughafen Mihail Kogalniceanu in Rumänien; von dort aus werden Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak durchgeführt. Der rumänische Flughafen ist Sitz der Task Force-East (der Einsatzgruppe Ost) des Pentagons. Mit der Errichtung des riesigen Camps Bondsteel im Kosovo und dem Umbau und der Nutzung kroatischer und montenegrinischer Adria-Häfen durch die US-Navy wurde die Militarisierung des Balkans (vorerst) abgeschlossen. (2

Die strategische Bedeutung des Kosovo für die USA ist zwar primär militärisch; sekundär ist es aber auch ein wichtiger Umschlagplatz für den Rauschgifthandel. Es dient als Vorposten gegen Russland und zur Kontrolle der Ölströme vom Kaspischen Meer und vom Mittleren Osten nach Westeuropa. Mit dem unabhängigen Kosovo hat Washington einen schwachen Staat geschaffen, der völlig unter seiner Kontrolle steht. Wäre das Kosovo ein Teil Serbiens geblieben, hätte es die NATO viel schwerer gehabt, die militärische Kontrolle darüber auszuüben. Heute ist das Kosovo eine Militärkolonie der NATO, und seine noch nicht einmal 2 Millionen Einwohner werden von 16.000 KFOR-Soldaten überwacht. Das Camp Bondsteel gehört zur Kette der vorgeschobenen US-Basen, die Donald Rumsfeld einmal als "Lily Pads" (Seerosen) bezeichnet hat, und es dient als Ausgangspunkt für Militäraktionen nach Osten und Süden. Die Aufnahme des Kosovo in die EU und in die NATO würde diese US-Militärbasis dauerhaft sichern; das wäre auch deshalb notwendig, weil der US-Protegé Saakaschwili 2008 so kläglich scheiterte, als er die Republik Georgien in die NATO integrieren wollte. (Weitere Infos dazu sind hier aufzurufen.)

Korridor für den Heroin-Transport


Die militärische Kontrolle des Kosovo durch die USA und die NATO dient in der großangelegten geostrategischen Planung Washingtons gleich mehreren Zwecken. Zunächst ermöglicht sie den USA eine bessere Überwachung der geplanten Öl- und Gas-Pipelines vom Kaspischen Meer und aus dem Mittleren Osten in die EU, sowie der Transportwege von der EU ans Schwarze Meer.

Sie schützt auch den Milliarden Dollar schweren Heroin-Schmuggel aus Afghanistan, der nach Angaben von Rauschgiftexperten der UNO seit Beginn der US-Besetzung auf Rekordhöhe angestiegen ist. Durch Albanien und das Kosovo führen die Hauptrouten des Heroin-Transportes nach Europa. Nach dem 2008 veröffentlichten Jahresbericht des USAußenministeriums über den internationalen Drogenhandel führen mehrere Routen für den Drogen-Transit durch den Balkan. Das Kosovo gilt als Hauptumschlagplatz für den Heroin-Transport aus Afghanistan und der Türkei nach Westeuropa. Der Drogenhandel wird natürlich mit Wissen und Unterstützung der Thaci Regierung abgewickelt.

Seit ihren Drogengeschäften mit Angehörigen des Meo-Stammes in Laos während des Vietnam-Krieges hat die CIA den Drogenhandel auf den Hauptrouten unter ihre Kontrolle gebracht und finanziert von den Einnahmen daraus einen Teil ihrer verdeckten Operationen. Der internationale Drogenhandel hat heute einen solchen Umfang erreicht, dass nach Ansicht informierter Kreise US-Banken wie die Citigroup einen bedeutenden Anteil ihrer Profite mit der Abwicklung von Drogengeschäften erzielen.

Einer der Hauptgründe für die übergroße Eile, mit der Washington und einige seiner Verbündeten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt haben, ist die Tatsache, dass sie sehr wohl wussten, dass seine Regierung und seine beiden wichtigsten politischen Parteien Vereinigungen des organisierten albanischen Verbrechens sind.

Hashim Thaci, der Premierminister des Kosovo und Vorsitzende der Demokratischen Partei des Kosovo, war früher Chef einer von den USA und der NATO ausgebildeten Terroristentruppe, die sich Kosovo Liberation Army / KLA oder auf Albanisch UCK nannte. In Verbrecherkreisen des Kosovo wird Hashim wegen seiner persönlichen Grausamkeit gegen Feinde "Die Schlange" genannt.

1997 hat Robert Gelbard, der Sondergesandte des Präsidenten Clinton für den Balkan, von der UCK gesagt, sie sei "ohne jede Frage eine Terroristengruppe". Sie war aber noch etwas ganz Anderes. Sie war eine von einem Klan beherrschte Mafia, die unmöglich infiltriert werden konnte und insgeheim die Schattenwirtschaft des Kosovo kontrollierte. Nach Erkenntnissen europäischer Polizeibehörden unterhält Thacis Demokratische Partei auch heute noch enge Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

In einem geheimen Bericht des deutschen Bundesnachrichtendienstes / BND vom 22. Februar 2005, der durchsickerte, wurde festgestellt: “Über die Key-Player (wie z. B. Haliti, Thaci, Haradinaj) bestehen engste Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und international operierenden OK-Strukturen im Kosovo. Die dahinter stehenden kriminellen Netzwerke fördern dort die politische Instabilität. Sie haben kein Interesse am Aufbau einer funktionierenden staatlichen Ordnung, durch die ihre florierenden Geschäfte beeinträchtigt werden können.“ (OK=organisierte Kriminalität) (3

Die UCK begann ihre Aktionen 1996 mit Bombenanschlägen auf Lager für serbische Flüchtlinge, die vor den Kriegen in Bosnien und Kroatien geflohen waren. Die UCK hat wiederholt auch die "Befreiung" von Gebieten in Montenegro, Mazedonien und Teilen Nord-Griechenlands gefordert. Thaci tritt, zurückhaltend formuliert, ganz sicher nicht für regionale Stabilität ein.

Der heute 44-jährige Thaci war in den 1990er Jahren schon als damals 30-jähriger Gangster ein persönlicher Protegé von Clintons Außenministerin Madeleine Albright. Die UCK wurde von Anfang an von der CIA und vom deutschen BND unterstützt. Während des Krieges 1999 erhielt die UCK außerdem direkte Unterstützung von der NATO. Als die USA Mitte der 1990er Jahre Kontakt zu Thaci aufnahmen, führte er die Drenica-Gruppe, eine im Kosovo agierende kriminelle Vereinigung, die Kontakte zu albanischen, mazedonischen und italienischen Mafia-Kreisen unterhielt. In einem im Januar 2007 für die EU-Kommision erstellten Geheimbericht mit dem Vermerk "VS – Nur für den Dienstgebrauch", der in den Medien durchgesickert ist, wurden die organisierten Verbrechen der UCK und ihrer Nachfolgeorganisation, der Demokratischer Partei Thacis, detailliert untersucht.

In einem im Dezember 2010 – einen Tag, nachdem die Wahlkommission erklärt hatte, die Thaci-Partei habe die erste Wahl im unabhängigen Kosovo gewonnen – vom Europa-Rat veröffentlichten Bericht, wird den Westmächten Komplizenschaft vorgeworfen, weil sie die Verbrechen der kriminellen Vereinigung Thacis ignoriert hätten. Darin heißt es: "Thaci und andere Mitglieder der 'Drenica-Gruppe' werden in Geheimdienst-Dossiers durchweg als 'Schlüsselfiguren' des organisierten Verbrechens im Kosovo bezeichnet. Wir fanden heraus, dass Hashim Thaci, der jetzt als Politiker agiert, Chef, oder wie es in Kreisen des organisierten Verbrechens heißt, Boss der Drenica-Gruppe war. (4

In dem Bericht wird außerdem festgestellt, dass Thaci "den Heroin-Handel gewaltsam unter seine Kontrolle gebracht hat". Dick Marty, der Ermittler der Europäischen Union, legte seinen Bericht den Diplomaten aller EU-Mitgliedstaaten vor. Weil Washington Thaci stützte, reagierten diese aber nur mit Schweigen. (5

Im gleichen Bericht für den Europa-Rat über das organisierte Verbrechen im Kosovo wird Thacis Mafia-Organisation vorgeworfen, mit menschlichen Organen gehandelt zu haben. Figuren aus Thacis innerem Kreis werden beschuldigt, im Krieg serbische Gefangene über die Grenze nach Albanien verschleppt zu haben, wo mehrere Serben wegen ihrer Nieren, die auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden, ermordet worden seien. In einem Prozess, der 2008 vor dem Landgericht in Pristina stattfand, ging es um verarmte Opfer, die im Jahr 2000 von der UCK zur Organentnahme in eine mit ihr zusammenarbeitende Klinik mit Namen Medicus verbracht worden waren. (6

Die Frage, warum Washington, die NATO, die EU und besonders die deutsche Regierung so begierig waren, die Absplitterung des Kosovo möglichst schnell zu legitimieren, ist leicht zu beantworten. Ein von einem kriminellen Netzwerk beherrschtes Kosovo ist leichter von der NATO zu kontrollieren. In einem solchen Staat kann die NATO machen, was sie will. Zusammen mit dem von der NATO kontrollierten Afghanistan, aus dem das von Premierminister Thaci kontrollierte Heroin kommt, gehört das Kosovo zu einem Netz, das vom Pentagon zur Einkreisung Russlands aufgebaut wird und keinesfalls friedlichen Zwecken dient.

Thacis Abhängigkeit vom guten Willen der USA und der NATO ist die Ursache dafür, dass die Thaci-Regierung tun muss, was ihr gesagt wird. Das sichert den USA auch ihre ständige Militärpräsenz an dieser strategisch so wichtigen Position in Südost-Europa. Diese USMilitärpräsenz ist von zentraler Bedeutung für die NATO-Kontrolle über Eurasien und verschafft den USA den erwünschten Einfluss auf die Machtbalance in Europa. Moskau und eine Reihe anderer Staaten sind über diese Entwicklung natürlich nicht besonders glücklich. Die USA hantieren buchstäblich mit Dynamit und riskieren eventuell sogar einen Atomkrieg auf dem Balkan.

F. William Engdahl ist der Autor des Buches "Full Spectrum Dominance: Totalitarian Democracy in the New World Order" (Dominanz um jeden Preis: Die totalitäre Demokratie in der neuen Weltordnung). Über seine Website www.engdahl.oilgeopolitics.net kann man ihn kontaktieren.

Anmerkungen / Notes


1 RIA Novosti, US to Help Kosovo Join EU NATO: Clinton, April 5, 2012, accessed in
http://en.rian.ru/world/20120405/172621125.html.

2 Rick Rozoff, Pentagon and NATO Complete Their Conquest of The Balkans, Global
Research, November 28, 2009, accessed in
www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=16311.

3 Tom Burghardt, The End of the Affair: The BND, CIA and Kosovo’s Deep State,
accessed in
http://wikileaks.org/wiki/The_End_of_the_Affair%3F_The_BND%2C_CIA_and_Kosovo
%27s_Deep_State


4 The Telegraph, Kosovo's prime minister 'key player in mafia-like gang,' December 14,
2010, accessed in
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/kosovo/8202700/Kosovos-primeminister-
key-player-in-mafia-like-gang.htm
l .

5 Ibid.

6 Paul Lewis, Kosovo PM is head of human organ and arms ring Council of Europe
reports, The Guardian, 14 December 2010.