Muss Deutschland, nachdem es zwei verheerende Weltkriege
angezettelt hat, auch wieder maßgeblich im dritten und letzten mitmischen und
untergehen?
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| Rick
Rozoff |
Von Rick Rozoff,
Stop NATO
GLOBAL RESEARCHAls die beiden aus dem zweiten Weltkrieg
hervorgegangenen deutschen Staaten – die Bundesrepublik Deutschland und die
Deutsche Demokratische Republik, also West- und Ostdeutschland – 1990 vereinigt
wurden, war das für viele in Europa und auf der ganzen Welt eine glückliche Zeit
voller Hoffnungen auf einen Kontinent des Friedens und vielleicht sogar der
Abrüstung.
Obwohl die USA dem letzten Präsidenten der Sowjetunion,
Michail Gorbatschow, versprochen hatten, die North Atlantic Treaty Organization
/ NATO nicht "einen Zoll" nach Osten auszuweiten, wurde durch die deutsche
Wiedervereinigung nicht nur die ehemalige Deutsche Demokratische Republik von
der Bundesrepublik vereinnahmt, die NATO und ihr Militärblock bewegten sich im
Laufe der nächsten Jahre auch hunderte von Kilometern näher an die russische
Grenze, und zwölf osteuropäischen Staaten schlossen sich ihr an. Fünf dieser
zwölf neuen NATO-Mitglieder waren Republiken Jugoslawiens und der Sowjetunion
gewesen, die beide nicht mehr existieren.
Es begann aber kein Zeitalter
der Abrüstung in einem Europa ohne Militärblöcke und ohne Kriege. Nach dem
Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten und der gleichzeitigen Auflösung
des Ostblocks und der UDSSR ein Jahr danach entstand ein Europa, das fast völlig
von einer von den USA kontrollierten globalen Militärmacht beherrscht
wurde.
Nur einige Monate nach der Wiedervereinigung begann Deutschland,
das damals eine CDU/CSU-geführte Regierung unter Kanzler Helmut Kohl hatte, an
der Aufsplitterung der Bundesrepublik Jugoslawien zu arbeiten, die gleichzeitig
mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in ihre Einzelstaaten
zerbrach.
Die Regierung Kohl und ihr
FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher drängten sofort auf die Anerkennung der
jugoslawischen Teilrepubliken Kroatien und Slowenien (als selbständige Staaten).
Kroatien war der Nachfolger des von den Nazis während des Zweiten Weltkrieg
gegründeten unabhängigen Staates Kroatien, und Slowenien war damals unter
Deutschland und seinen faschistischen Verbündeten Italien und Ungarn aufgeteilt
worden.
Was die Regierung des gerade wiedervereinigten Deutschlands tat,
lässt sich am besten mit einem Zitat aus Victor Hugos poetischem Drama
"Cromwell" ausdrücken: Schmiedet das Eisen so lange es heiß ist, und lasst es
beim Schmieden nicht kalt werden!
Ende 1991 hatte Deutschland die anderen
Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft, die jetzt zur Europäischen Union
geworden ist, soweit gebracht, dass sie die beiden abgefallenen jugoslawischen
Teilrepubliken (als selbständige Staaten) anerkannten. Als Berlin Druck (auf die
anderen europäische Staaten) ausübte, warnte der stellvertretende serbische
Außenministers Dobrosav Vezovic, dass sei "ein direkter Angriff auf
Jugoslawien", der "Jugoslawien von der Weltkarte löscht".
Deutschland war
schon wieder auf dem Weg, die Karte Europas neu zu entwerfen und würde bald
bereit sein, zum ersten Mal nach dem Dritten Reich wieder militärische Gewalt
außerhalb seiner Grenzen einzusetzen.
1995 schickte Berlin bereits 4.000
Soldaten nach Bosnien – zum größten Militäreinsatz im Ausland seit dem Zweiten
Weltkrieg. Aber seine Rückkehr zur Anwendung militärischer Gewalt fand nach fast
55-jähriger Unterbrechung erst 1999 im Krieg der NATO gegen Jugoslawien
statt.
Die vom Westen benutzte Begründung für diesen Krieg, die Operation
Allied Force (Operation Vebündete Kraft), war die Behauptung, man müsse
intervenieren, um in der serbischen Provinz Kosovo einen Völkermord zu
verhindern. Der auf die heftig angefachte Krise folgende 78-tägige Bombenkrieg
wurde dann auf eine Art gerechtfertigt, die der dänische Philosoph Soren
Kierkegaard einmal "die teleologische Suspendierung der Ethik" genannt
hat.
Diese Begründung war aber nur vorgeschoben. Die Abtrennung des
Kosovo von Serbien und die weitere Zerschlagung der ehemaligen Bundesrepublik
Jugoslawien in Teilrepubliken war der letzte Akt eines jahrzehntelangen Dramas,
dessen Ausgang aber schon feststand, bevor sich der Vorhang zum ersten
hob.
Im Januar 1991 richtete der ehemalige amerikanische
Kongressabgeordnete Joseph Dio-Guardi in seiner Eigenschaft als Präsident der
Albanian American Civic League (der Albanisch-Amerikanischen Bürgervereinigung)
an den deutschen Kanzler Kohl folgende Forderung:
"Die Europäische Gemeinschaft sollte
unter der derzeitigen Führung der Bundesrepublik Deutschland die Republik Kosovo
als souveränen und unabhängiger Staat anerkennen, weil das die einzig logische
und wirksame Lösung ist, um die Albaner im Kosovo von ihren kommunistischen
serbischen Unterdrückern zu schützen."
Fünf Monate früher,
im August 1990, hatte DioGuardi sechs US-Senatoren, darunter auch Robert Dole,
auf einer Tour durch den Kosovo geführt. Ein Jahr, bevor der Krieg begann, waren
in deutschen Zeitungen Schlagzeilen wie "Kinkel droht mit einem Eingreifen der
NATO im Kosovo" zu lesen, womit der damalige deutsche Außenminister Klaus Kinkel
gemeint war; der wurde auch 1998, wie folgt, zitiert: "Natürlich ist in Betracht
zu ziehen, ob die Kosovo-Albaner unter moralischen und ethischen Gesichtspunkten
dran gehindert werden dürfen, Waffen für ihre Selbstverteidigung zu
kaufen."
Der kanadische Professor und politische Analyst Michel
Chossudovsky hat auf seiner Website Global Research umfassend und pointiert über
die Rolle des deutschen Bundesnachrichtendienstes / BND bei der Bewaffnung und
Ausbildung der so genannten Kosovo Liberation Army (Kosovo-Befreiungsarmee) im
Vorfeld und zur Vorbereitung des anschließenden NATO-Angriffs auf Jugoslawien
berichtet. (s.
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=7996
und für die anschließende Entwicklung
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=11239).
Im
Kosovo überschritt Deutschland, das in den 90er Jahren schon Truppen nach
Bosnien entsandt und ein Feldlazarett in Kroatien bereitgestellt hatte, die seit
dem Zweiten Weltkrieg eingehaltene rote Linie, als sich die Luftwaffe mit ihren
Mehrzweck-Tornados zum ersten Mal seit 1945 wieder an Kampfeinsätzen
beteiligte.
Der Präzedenzfall wurde noch ausgeweitet, als Deutschland
nach der Bombardierung mit mehr als eintausend seiner Soldaten auch an der im
Juni 1999 beginnenden Besetzung des Kosovo durch NATO-Truppen teilnahm. Ein
deutscher General (Klaus Reinhardt) übernahm den Befehl über die 50.000
NATO-Soldaten der Kosovo Force / KFOR.
Aus dem Gedächtnis sei der Bericht
eines amerikanischen Reporters zitiert, der die Äußerung eines älteren
Kosovo-Albaners bei der Ankunft der ersten deutschen Truppen etwa so
wiedergegeben hat: "Wo seid ihr gewesen? Wir haben euch vermisst. Als ihr das
letzte Mal hier wart, habt ihr die richtigen Grenzen gezogen."
Der
Rubikon war überschritten. (Das italienische Flüsschen, das Cäsar beim Kampf um
die Macht in Rom überquerte, steht als Symbol für eine folgenschwere
Entscheidung.) Deutschland war von seinen westlichen Verbündeten vom Makel
seiner Nazi-Vergangenheit befreit worden, und es stand ihm frei, wieder weltweit
Truppen zu entsenden und Krieg zu führen.
In einem SPIEGEL-Artikel vom
Februar dieses Jahres hieß es dazu: "Die Phase der deutschen
Militärinterventionen, die vor 10 Jahren während des Kosovo-Krieges begann, ist
keineswegs zu Ende, trotz der Tatsache, dass die Mehrheit der Deutschen das gern
möchte. Im Gegenteil: Das Zeitalter von Auslandseinsätze für die Deutschen und
ihre Streitkräfte hat gerade erst begonnen."
Die Büchse der Pandora (aus
der nach einer griechischen Sage das Böse in die Welt kam) ist geöffnet, und
seit 2007 wurden nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums "rund
8.200 Soldaten bei Missionen in Afghanistan, im Libanon, in Bosnien, in
Dschibuti, in Äthiopien, in Georgien, im Kosovo und im Sudan eingesetzt, und
Deutschland ist zu einem der führenden Unterstützer internationaler Missionen
geworden".
Wie Deutschland nach dem Kalten Krieg wiedervereinigt und die
deutsche Öffentlichkeit auf seine neue internationale militärischen Rolle
vorbereitet wurde, hat Diana Johnstone ein Jahr vor dem Kosovo-Krieg
aufschlussreich analysiert. Es folgt ein Exzerpt aus ihrem Artikel "Seeing
Yugoslavia through a dark glass (Jugoslawien durch ein dunkles Glas
betrachtet
(s.
http://www.globalresistance.com/articles/Johnstone/Yugo1.html),
der verhältnismäßig lang ist, weil sie gründlich recherchiert hat.
"Im Bundestag forderte Joschka
Fischer, der Chef der deutschen GRÜNEN, der im gleichen Jahr 1998 noch
Außenminister wurde, die Abkehr vom Pazifismus weil (ein zweites) 'Auschwitz'
verhindert werden müsse, verglich also die Serben mit den Nazis. In
hochgeputschter selbstgerechter Empörung schlossen sich deutsche Politiker aller
Couleur diesem Vorschlag an; sie nutzten Deutschlands Schuld aus der
Vergangenheit nicht als Rechtfertigung für eine besondere Zurückhaltung, wie sie
es bis zur Wiedervereinigung getan hatten, sondern im Gegenteil als Grund für
ihr Angebot, 'ihren Anteil an der militärischen Last mittragen zu
wollen'.
Im Namen der
Menschenrechte gab die Bundesrepublik Deutschland ihren bisherigen Verzicht auf
Militäreinsätze außerhalb des NATO-Verteidigungsbereichs auf. Deutschland konnte
– dank der 'serbischen Bedrohung' – wieder eine 'normale' Militärmacht
sein.
Deutsche Politiker schafften
es sogar, in einer seltsamen Massenübertragung die Verhaltensweisen und die
Schuld der Nazis den Serben anzuhängen. Für die Deutschen war das als eine Art
entlastender psychologischer Projektion anzusehen, die dazu diente, den
Deutschen ein willkommenes Gefühl wiedergewonnener Unschuld zu geben, weil die
'kriminellen" Serben jetzt die neuen Schurken waren. Aber die Hasskampagne gegen
die Serben, die in Deutschland gestartet wurde, blieb nicht darauf
beschränkt.
Wenn jemand 1989,
nachdem die Berliner Mauer gefallen war, verkündet hätte, jetzt kann sich
Deutschland wiedervereinigen, sein Militär nach Jugoslawien zurückschicken und
das Land sogar wieder entlang ähnlicher Linien aufteilen wie 1941, als es schon
einmal als Besatzungsmacht dort war, hätten sicher eine ganze Menge Leute
Einwände erhoben. Und doch ist genau das geschehen, und viele der gleichen
Leute, die eigentlich heftig gegen diesen schlimmsten revisionistischen Akt in
der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg hätten protestieren müssen, haben ihn
ideologisch gerechtfertigt und gedeckt."
Die Kampagne war
nicht ohne Wirkung in Deutschland, wie sich in nachfolgenden Ereignissen und
durch die Rehabilitierung, Ehrung und sogar Honorierung von Nazi-Kollaborateuren
– einschließlich ehemaliger Mitglieder der Waffen-SS – in Kroatien, Estland,
Lettland und der Ukraine in den letzten Jahren erwiesen hat.
Im Anschluss
an sein militärisches Eingreifen in Kroatien, Bosnien und Serbien entsandte
Deutschland 2001 auch Truppen nach Mazedonien, nachdem bewaffnete Abteilungen
der im Kosovo beheimateten National Liberation Army / NLA (der Nationalen
Befreiungsarmee), eines Ablegers der von Ali Ahmeti gegründeten und geführten
Kosovo Liberation Army / KLA, im Sommer 2001 in das Land einfielen. In
stillschweigender Duldung der 50.000 NATO-Soldaten im Kosovo brachte Ahmetis
Räuberbande Kämpfer, Waffen und sogar Artillerie an amerikanischen
Kontrollpunkten vorbei über die Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien, um
tödliche Überfalle auf staatliche und zivile Ziele zu begehen.
Dabei
gerieten einmal sogar 600 Bundeswehr-Soldaten ins Kreuzfeuer zwischen den NLA-
Plünderern und Sicherheitskräften der (mazedonischen) Regierung.
Jahre
später äußerte Benjamin Schreer, ein Militärexperte aus dem deutschen Institut
für Internationale und Sicherheitsangelegenheiten in Berlin, zu der von Diana
Johnstone beschrieben Entwicklung: "Die Entscheidung der SPD [der
Sozialdemokratischen Partei] und der GRÜNEN, 1999 deutsche Truppen in Kosovo zu
entsenden, hat die Bundeswehr verändert.... Die Bundeswehr agiert jetzt auf
globaler Ebene."
Der Pressemitteilung, aus der das Zitat stammt, wurden
auch die folgenden Details entnommen:
"Bei der Mission in Afghanistan waren zum
ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten, ungefähr 100 Mann des
Kommandos Spezialkräfte, wieder an Bodenkämpfen beteiligt.
Das Kommando
Spezialkräfte, bekannter unter der Abkürzung KSK, ist eine vorzüglich
ausgebildete und ausgestattete Spezialeinheit, die im Kosovo und in Afghanistan
erfolgreich eingesetzt wurde. Die meisten ihrer Operationen waren jedoch
geheim.
Nach dem 11. September 2001 wurden die deutsche Militäreinsätze
und die Bereitstellung von Truppen stark ausgeweitet; zusätzlich zu den von
Deutschland für die US-Operation Eagle Assist (Unterstützung für Adler) zur
Verfügung gestellten AWACS-Maschinen, nahmen auch deutsche (Marine)einheiten an
der Operation Active Endeavour zur Überwachung des Mittelmeers teil. Auch in
Afghanistan und Ostafrika kämpfen deutsche Truppen – mit Marineeinheiten,
Bodentruppen und Spezialkräften.
Die Bundeswehr, die nach der deutschen
Verfassung ausschließlich zur Landesverteidigung vorgesehen ist, kann jetzt
bewaffnete Truppen auch in fremde Länder entsenden."
Man hat es
hervorragend verstanden, die Zerschlagung Jugoslawiens mit der Schlachtung des
Osterlamms Serbien auf dem Altar Kosovo zu nutzen, um Jahrzehnte deutscher
Schuld einfach wegzuwischen; Berlin war jetzt rehabilitiert und konnte die Rolle
übernehmen, die ihm in der NATO zugedacht war: Die Rolle einer internationalen
Militärmacht, die gleichzeitig auf vier Kontinenten operiert, mit einer viel
größeren Reichweite und einem breiteren Engagement als unter Bismarck oder
Hitler.
In einem Beitrag unter dem Titel "Die Vorbereitung des deutschen
Militärs auf den Krieg" wurde 2005 (von der Deutschen Welle) berichtet, der
deutsche Verteidigungsminister Peter Struck habe vorgeschlagen, "dass ... sein
Ministerium sich auch auf Einsätze der Bundeswehr einstellen müsse, die über
Friedenssicherung und Stabilisierung hinausgehen", und dass "die Bundeswehr
gebeten werden könnte, in Zukunft eine stärkere Rolle in Afrika zu
spielen."
Als er auf dem Weg nach Afghanistan deutsche Soldaten in
Usbekistan besuchte, sagte Struck: "Für diejenigen unter uns, die nach dem Krieg
geboren sind, ist das eine unangenehme Vorstellung, aber wir müssen realistisch
sein. Es ist möglich, dass wir uns darauf einstellen müssen, streitende Parteien
in anderen Ländern mit militärische Mitteln zu trennen", und dass die Bundeswehr
bereit sein müsse, "Einsätze zur Durchsetzung des Friedens irgendwo auf der Welt
durchzuführen".
Ende 2006 veröffentlichte Strucks Nachfolger,
Verteidigungsminister Franz Josef Jung, ein 133-seitiges Weißbuch, in dem es
heißt: "Die Bundeswehr muss von Grund auf in eine Interventionsarmee
umstrukturiert werden."
In einem Artikel unter dem Titel "Germany plans
to remake its Army into a rapid-reaction, humanitarian-intervention force"
(Deutschland plant, seine Armee für schnelle Reaktionseinsätze bei
Interventionen und humanitären Aktionen umzurüsten, s.
http://www.accessmylibrary.com/coms2/summary_0286-28776859_ITM)
kommentierte NEWSWEEK: "Dieser schnelle Veränderungsschritt ist wirklich
beunruhigend. 1994 musste noch durch ein Urteil des Bundesverfassungsgericht
geklärt werden, dass deutsche Soldaten überhaupt im Ausland eingesetzt werden
dürfen. Und heute agieren annähernd 10.000 Bundeswehr-Soldaten an so entlegenen
Plätzen wie Bosnien, Dschibuti und im südlichen Sudan."
Deutschland hat
sich so an seinen gegenwärtigen globalen militärischen Status gewöhnt, dass
Kanzlerin Angela Merkel letzte Woche deutschen Soldaten die ersten
Kampfmedaillen seit dem Zweiten Weltkrieg verliehen hat.
"Das neue Ehrenkreuz für
Tapferkeit ist der erste derartige Militärorden seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, bis zu dessen Ende die Nazis das Eiserne Kreuz verliehen haben, das
dadurch beschmutzt wurde. Einige sehen das als ein weiteres Zeichen dafür, dass
sich Deutschland seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 nach und nach von den
diplomatischen und militärischen Beschränkungen verabschiedet, die es sich nach
dem Zweiten Weltkrieg auferlegt hat."
In einer Kolumne der Londoner TIMES
wurde die Wiederkehr eines militarisierten Deutschlands, das so
expansionsfreudig und aggressiv wie vor dem Zweiten Weltkrieg ist – die von Frau
Merkel ausgezeichneten Soldaten haben am Krieg in Afghanistan teilgenommen – mit
dieser Lobrede begrüßt:
"Wenn es Deutschland wieder wagt, seine
militärischen Helden stolz zur Schau zu stellen, ist es auf seiner Reise aus dem
Dunkel diplomatischer und militärischer Verschleierung – über die
Wiedervereinigung von 1990 – ganz sicher ans Ziel gelangt.
Deutschlands
neuer Orden, das Ehrenkreuz, ist eine kühne Antwort auf die wachsende Rolle, die
das deutsche Militär in der Welt spielt.
Die Verleihung durch Kanzlerin
Angela Merkel markiert einen wichtigen Moment in Deutschlands Rückkehr ins Herz
der Völkergemeinschaft."
Im November vergangenen Jahres legte der
deutsche Verteidigungsminister Jung den Grundstein für "das erste nationale
Denkmal für Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Militärdienst des Landes
umgekommen sind".
"Gefallene" und das Gedenken an sie wurden Jahrzehnte
lang als Relikte einer dunklen fernen Vergangenheit betrachtet; sie gehören
jetzt aber wieder zur Normalität, weil sich "Deutschland ... nach und nach aus
seinen militärischen und diplomatischen Nachkriegsfesseln befreit hat und wieder
Soldaten ins Feuer schickt, an (gefährlichen) Plätzen wie in
Afghanistan".
Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung, dessen erste
Auswirkung die Einbeziehung des ganzen deutschen Territoriums in die NATO war,
wurde vollendet mit der Wiedergeburt einer militärischen Großmacht, von der
viele glaubten, sie sei 1945 endgültig untergegangen.
Das
Mainstream-Wochenmagazin DER SPIEGEL schrieb 2005 in einem Beitrag mit dem Titel
"Deutschlands Bundeswehr betritt die globale Bühne":
"Mit der Wiedervereinigung hat die Nation
nicht nur ihre volle Souveränität wiedergewonnen. Sie musste sich auch wieder
den Regeln unterwerfen, die während des Kalten Krieges praktisch auf Eis gelegt
worden waren. Auf der neuen internationalen Bühne ist politischer Einfluss
denjenigen vorbehalten, die bereit und fähig sind, ihre Interessen gemeinsam mit
ihren Partnern durchzusetzen, notfalls auch gewaltsam mit militärischen
Mitteln." In der Hymne auf die Bundeswehr heißt es dann weiter: "Heute ist die
Bundeswehr zu einem der stärksten Werkzeuge geworden, das der deutschen
Außenpolitik zur Verfügung steht.
Die deutsche Regierung ist dabei, sich
eine völlig andere Art von Soldaten zu verschaffen. Die Elitesoldaten des
Kommandos Spezialkräfte / KSK ... sind bestens ausgebildete Spezialisten, die
mit ihren Kollegen vom britischen SAS oder der amerikanischer Delta Force
durchaus mithalten können.
Deutschland hat endlich einen 'Zustand der
Normalität erreicht' und seine Demokratie wird jetzt 'direkt dort verteidigt',
wo auch immer sie bedroht wird. Das könnte überall sein, bald sogar in
Afrika."
Auf dem Höhepunkt der fast zwanzig Jahre andauernden
Bemühungen der Deutschen und ihrer Verbündeten, die Sozialistische
Bundesrepublik Jugoslawien, dann ihren bereits gestutzten Nachfolger, die
Bundesrepublik Jugoslawien, und schließlich Serbien zu zerrütten und zu
zerschlagen, gab Berlin im Februar 2008, fast am ersten Jahrestag der vom Westen
forcierten Abtrennung des Kosovo, bekannt, dass es der kurz vorher neu
formierten Kosovo Security Force / KSF 200 Militärfahrzeuge schenken werde; die
KSF ist die aufgerüstete Kosovo Liberation Army / KLA, und ihr früherer und
heutiger Kommandeur hat bereits öffentlich seine Absicht verkündet, sich der
NATO anschließen zu wollen.
Das deutsche Angebot ist "ein wesentlicher
Beitrag zum Aufbau" der entstehenden Armee eines illegalen Gebildes, das von
mehr als zwei Dritteln der Staaten der Welt, darunter Russland, China und
Indien, nicht (als selbständiger Staat) anerkannt wird.
Im Februar hat in
einem Interview mit Radio Kosovo Oberst Dieter Jensch, ein leitender Militär im
deutschen Verteidigungsministeriums, geprahlt:
"Die Bundeswehr unterstützt die Kosovo
Security Force durch materielle Hilfe, zu der auch die Spende von 204 Fahrzeugen
und anderer technischer Ausrüstung gehört, und wir haben ein Team von 15
Berufsoffizieren damit beauftragt, beim Aufbau der KSF-Strukturen behilflich zu
sein."
In dem Bericht, aus dem das obige Zitat stammt, hieß es weiter:
"Der Wert der Militärhilfe wird auf 2,6 Millionen Euro geschätzt. Deutschland
wird auch 15 Militärs entsenden, die beim Aufbau der KSF-Strukturen helfen und
Mitglieder der KSF trainieren.
Es wird erwartet, dass Aufbau und
Ausbildung der KSF ca. 43 Millionen Euro kosten. Deutschland ist unter den
ersten Staaten, die beim Aufbau der KSF helfen. Es hat bereits 15 Offiziere
entsandt, die den Aufbau und das Training der Sicherheitskräfte
unterstützen."
Gestern der Balkan und heute die
Welt!
(Anklang an den Refrain des berüchtigten Kampfliedes der SA: "Wir
werden weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt. Denn heute gehört uns
Deutschland, und morgen die ganze Welt!“)
luftpost-kl.de